Lichtverschmutzung verstehen und vermeiden
Früher war Dunkelheit selbstverständlich. Heute wirkt die Nacht vielerorts eher gedimmt als wirklich dunkel. Dieses Phänomen wird als Lichtverschmutzung bezeichnet. Künstliches Licht macht unseren Alltag sicherer, komfortabler und produktiver, breitet sich aber weit über den eigentlichen Einsatzort hinaus aus. In der Schweiz hat sich diese Entwicklung in den letzten Jahrzehnten deutlich verstärkt.
Was ist Lichtverschmutzung?
Lichtverschmutzung beschreibt die künstliche Aufhellung des Nachthimmels sowie die störenden Auswirkungen von Licht auf Mensch, Tiere und Pflanzen. Häufig sichtbar wird sie als sogenannter Skyglow, eine diffuse Lichtglocke über Städten und Siedlungen.
Ursache ist vor allem Licht, das nicht gezielt dorthin gelenkt wird, wo es benötigt wird. Aus lichttechnischer Sicht entsteht Lichtverschmutzung vor allem durch hohe ULR-Werte (Upward Light Ratio) sowie durch Leuchten mit unzureichender Abschirmung oder falscher Montagehöhe.

Wie stark ist die Lichtverschmutzung in der Schweiz?
Laut Daten des Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat die Lichtverschmutzung in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Die nach oben gerichteten und reflektierten Lichtemissionen haben sich zwischen 1994 und 2020 mehr als verdoppelt.Natürliche Dunkelheit wurde 1994 noch auf rund 28 % der Landesfläche beobachtet, 2009 nur noch auf etwa 18 %.

Warum ist Lichtverschmutzung relevant?
Die Auswirkungen von Lichtverschmutzung gehen weit über den Nachthimmel hinaus. Künstliche Beleuchtung beeinflusst natürliche Ökosysteme und kann sowohl Tiere als auch den menschlichen Biorhythmus verändern. Auch Pflanzen reagieren auf veränderte Lichtverhältnisse. Dauerhafte nächtliche Beleuchtung kann Wachstums und Ruhephasen verschieben und Pflanzen stressen

Auswirkungen auf Natur und Umwelt:
- Insekten werden von Lichtquellen angezogen, verlieren Energie, sterben früher oder fehlen als Bestäuber.
- Fledermäuse meiden beleuchtete Flugkorridore und verlieren Jagd- und Rückzugsräume.
- Zugvögel können durch helle Lichtglocken desorientiert werden.
Auswirkungen auf den Menschen:
Studien zeigen, dass nächtliche Beleuchtung den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen kann. Hohe Blauanteile im Licht streuen stärker in der Atmosphäre und wirken sich besonders auf den menschlichen Biorhythmus sowie auf nachtaktive Tiere aus. Warmweisse Lichtfarben mit reduzierten Blauanteilen sind daher im Aussenraum oft die bessere Wahl.
Besser beleuchten: Prinzipien statt Verbote
Der vom BAFU empfohlene 7-Punkte-Plan zur Begrenzung von Lichtemissionen:
- Notwendigkeit – Braucht es diese Beleuchtung wirklich?
- Intensität – Wie hell muss sie sein?
- Lichtspektrum – Ist die Lichtfarbe geeignet?
- Auswahl & Platzierung – Passt der Leuchtentyp zum Einsatzort?
- Ausrichtung – Wird nur das Ziel beleuchtet, nicht der Himmel?
- Zeitmanagement – Wann wird Licht tatsächlich benötigt?
- Abschirmung – Werden unerwünschte Abstrahlungen verhindert?

Sicherheit und Dunkelheit sind kein Widerspruch
Ein häufiges Argument gegen die Reduktion von Beleuchtung ist die Sicherheit. Doch gut geplante Beleuchtung bedeutet nicht automatisch mehr Licht, sondern besseres Licht:
zielgerichtet, gleichmässig, blendfrei und angepasst an den tatsächlichen Bedarf.
Beispiele aus Gemeinden im In- und Ausland zeigen, dass reduzierte oder gesteuerte Beleuchtung nicht zu mehr Unsicherheit führen muss, wenn sie durchdacht umgesetzt wird.

Wie lässt sich Lichtverschmutzung reduzieren?
Dazu haben wir eine Broschüre für dich Zusammengestellt: "Licht aus, Verantwortung an"
Was heisst das konkret für Bauherren, Gemeinden und Unternehmen?
Lichtverschmutzung beginnt nicht beim Licht, sondern bei der Planung.
Statt auf Aussenbeleuchtung zu verzichten, geht es darum, sie bewusst und gezielt einzusetzen. Wer Licht von Anfang an richtig plant, kann Funktion, Atmosphäre und Umweltverträglichkeit miteinander verbinden.
Für Bauherren
bedeutet das: Beleuchtung früh in die Gesamtplanung integrieren, gezielt statt flächig beleuchten, warme Lichtfarben wählen und Licht nur dort einsetzen, wo es wirklich gebraucht wird.
Für Gemeinden
liegt der Fokus auf bedarfsgerechter Steuerung: Beleuchtung je nach Nutzung und Zeit anpassen, intelligente Steuerungen einsetzen und in sensiblen Bereichen besonders zurückhaltend planen, gestützt auf etablierte Richtlinien wie SIA 491.
Unternehmen
profitieren von funktionalem Licht statt Dauerinszenierung: Beleuchtung dient zur Sicherheit und Orientierung, wird zeitlich gesteuert und so ausgerichtet, dass sie effizient wirkt, ohne zu blenden oder unnötig Energie zu verbrauchen.
Genau hier setzt professionelle Lichtplanung an.
Sie verbindet technische Anforderungen, gestalterische Qualität und ökologische Verantwortung zu einem ganzheitlichen Konzept. Durch präzise Planung lassen sich Lichtemissionen reduzieren, Betriebskosten senken und gleichzeitig hochwertige, stimmige Aussenräume schaffen.
Gute Lichtplanung macht den Unterschied zwischen „mehr Licht“ und „besserem Licht“.
Fazit
Licht ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Infrastruktur. Gleichzeitig ist Dunkelheit ein natürlicher Zustand, den es zu respektieren gilt. Lichtverschmutzung entsteht dort, wo Licht ungezielt, übermässig oder dauerhaft eingesetzt wird.
„Lichtverschmutzung ist selten das Resultat einzelner Leuchten, sondern fast immer fehlender oder zu später Planung.“
Gutes Licht ist das Licht, das nur dort, nur dann und nur so hell leuchtet, wie es wirklich nötig ist.
Du planst ein Projekt mit Aussenbeleuchtung?
Dann lass uns gemeinsam ein Beleuchtungskonzept entwickeln, das Funktion, Ästhetik und Umwelt in Einklang bringt.
Melde dich bei uns, unser Planungsteam steht dir gerne zur Seite.
