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Grundlagen der Lichtplanung: Das fachliche Fundament für Architektur und Raumwirkung

Die Säulen der Lichtplanung: Nutzung und Raumarchitektur

Der wichtigste Ausgangspunkt jeder Lichtplanung ist die Nutzung des Raumes. Unterschiedliche Räume stellen völlig verschiedene Anforderungen an ein Lichtkonzept in der Architektur. Im Büro steht fokussiertes, blendfreies Arbeiten im Vordergrund. In einer Küche zählt perfekte Sicht auf Arbeitsflächen, während im Wohnbereich emotionale Geborgenheit Priorität hat. Verkaufsräume wiederum nutzen Licht strategisch zur Verkaufsförderung.

Architekturplan mit Lichtkonzept, Leuchtenbemusterung und digitaler Lichtplanung als Grundlage einer professionellen Lichtplanung.

Wie beeinflussen Raumgrösse und Materialien die Lichtwirkung?

Auch die Architektur selbst bestimmt den Entwurf. Hohe Decken verlangen andere Systeme als niedrige Räume. Offene Grundrisse benötigen zonierendes Licht, um Struktur zu schaffen. Zudem hat die Lichtwirkung im Raum stark mit Oberflächen zu tun. Helle Wände reflektieren das Licht effizient, dunkle Materialien absorbieren es. Das musst du rechnerisch und gestalterisch berücksichtigen.

Lichtwirkung entsteht nicht durch die Leuchte, sondern durch das Zusammenspiel mit dem Raum.



Technik und Anforderungen im Detail

Um ein tiefes Verständnis für die Grundlagen der Lichtplanung zu entwickeln, müssen wir die wichtigsten Kernfragen beantworten, die sich Planer in der Praxis stellen. Wer Räume professionell beleuchten will, muss die technischen Messgrössen und ihre Wirkung exakt beherrschen.

Infografik zu den wichtigsten lichttechnischen Grundlagen mit Lumen, Candela, Farbtemperatur, Farbwiedergabeindex und UGR.

Was ist der Unterschied zwischen Lumen und Lux?

Diese beiden Begriffe werden in der Praxis oft verwechselt, obwohl sie völlig unterschiedliche Dimensionen beschreiben. Der Lichtstrom gemessen in Lumen (lm) beschreibt die gesamte Lichtleistung, die eine Lichtquelle nach allen Seiten hin abgibt. Er ist eine reine Sendegrösse der Leuchte.

Die Beleuchtungsstärke gemessen in Lux (lx) hingegen ist die Empfangsgrösse. Sie gibt an, wie viel von diesem Lichtstrom auf einer bestimmten Fläche tatsächlich ankommt. Ein Lux entspricht einem Lumen pro Quadratmeter (1 lx = 1 lm / m²). Für dich als Planer ist die Beleuchtungsstärke der entscheidende Wert auf der Nutzebene.

Praxisbezug: Ein hochwertiges Leuchtensystem mit vielen Lumen bringt wenig, wenn das Licht nicht dort ankommt, wo es benötigt wird. Deshalb betrachten Lichtplaner bei der Lichtberechnung immer die Beleuchtungsstärke auf der spezifischen Nutzfläche, wie zum Beispiel dem Schreibtisch oder der Küchenarbeitsplatte.

Warum ist der Ra-Index (CRI) so wichtig?

Die Farbwiedergabe eines Leuchtmittels wird durch den Farbwiedergabeindex Ra (Colour Rendering Index) beschrieben. Dieser Index gibt an, wie natürlich die Farben von Objekten unter dem künstlichen Licht im Vergleich zum natürlichen Tageslicht erscheinen. Der Maximalwert beträgt 100. Eine noch präzisere Analyse ermöglicht die modernere TM-30-Metrik, welche die Farbtreue und die Farbsättigung getrennt voneinander bewertet.

Praxisbezug: Ein schlechter Farbwiedergabeindex lässt Materialien, Textilien und sogar die menschliche Haut fahl, gräulich und unnatürlich wirken. In Galerien, im gehobenen Wohnungsbau oder bei der solltest du daher zwingend Leuchten mit einem Ra > 90 einplanen, damit die gewählten Materialien ihre echte Wertigkeit behalten.

Was sagt der UGR-Wert über die Blendbegrenzung aus?

Die Blendung ist einer der grössten Störfaktoren in der modernen Architektur. Sie beeinträchtigt den Sehkomfort und kann zu Ermüdung führen. Zur Bewertung der psychologischen Blendung von Innenraumbeleuchtungen nutzt man das UGR-Verfahren (Unified Glare Rating). Der UGR-Wert ist das Ergebnis einer komplexen Berechnung, die die Anordnung der Leuchten, die Raumgeometrie und die Reflexionsgrade einbezieht. Je niedriger der UGR-Wert ist, desto geringer ist die Blendung.

Praxisbezug: Für typische Büroarbeitsplätze fordert die Norm SN EN 12464-1 in der Regel einen UGR-Wert von höchstens 19. Bei der [Verlinkung: Blendung vermeiden] im Grossraumbüro reicht es nicht, einfach rasterfreie Leuchten zu wählen. Die gesamte Anordnung im Raum muss in der DIALux- oder Relux Planung präzise simuliert werden.

Grafische Darstellung des UGR Werts zur Bewertung der Blendung und des Sehkomforts an einem Bildschirmarbeitsplatz.

Die gestalterische Komponente: Lichtlenkung und Lichtfarbe

Ein ausgewogenes Lichtkonzept kombiniert in der Regel direktes und indirektes Licht. Direktes Licht strahlt gezielt auf eine Fläche wie zum Beispiel den Schreibtisch. Es sorgt für hohen Kontrast sowie Sehschärfe. Indirektes Licht wird von Wänden oder Decken reflektiert. Es wirft keine harten Schatten, vermindert Blendung und erzeugt eine gleichmässige, angenehme Grundhelligkeit im Raum.

Warum spielt die Farbtemperatur eine so grosse Rolle?

Die Lichtfarbe gemessen in Kelvin (K) steuert die biologische und psychologische Wirkung des Lichts auf den Menschen. Man unterscheidet im Wesentlichen drei Bereiche: Warmweiss (unter 3000 K) wirkt beruhigend und gemütlich. Neutralweiss (3300 K bis 5300 K) erzeugt eine sachliche Arbeitsatmosphäre. Tageslichtweiss (über 5300 K) wirkt stark aktivierend.

Moderne Beleuchtungslösungen in Treppenhaus, Wohnraum und Flur mit unterschiedlichen Lichtkonzepten für verschiedene Anwendungen.

Der biologische Faktor: Human Centric Lighting (HCL)

Das Konzept des Human Centric Lighting geht noch einen Schritt weiter. Durch den gezielten Einsatz von steuerbaren LED-Systemen lässt sich die Farbtemperatur und die Beleuchtungsstärke im Tagesverlauf dynamisch anpassen. Morgens unterstützt aktivierendes, bläuliches Licht den Start in den Tag, während abends warmes, gedimmtes Licht die Melatoninproduktion fördert. Dies ist ein essenzieller Baustein für moderne, gesundheitsorientierte Architektur.

Human Centric Lighting mit dynamischer Anpassung der Lichtfarbe und Lichtstärke im Büro über den Tagesverlauf.

Welche normativen Anforderungen müssen wir beachten?

Für die Beleuchtung sind rechtliche Vorgaben essenziell. In der Schweiz regelt vor allem die Norm SN EN 12464-1 die Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen. 

Sie definiert Mindestwerte für:

  • Die Wartungsbeleuchtungsstärke Em in Lux
  • Die Blendbegrenzung UGR-Wert
  • Die Farbwiedergabe Ra-Index

Gute Lichtplanung verbindet normgerechte Technik mit gestalterischer Freiheit.

Professionelle Lichtplanung Schritt für Schritt umsetzen

Die Umsetzung der Grundlagen der Lichtplanung folgt einem klaren, strukturierten Prozess, der bereits in der Leistungsphase 2 nach SIA beginnen sollte. Nur so lassen sich Lichtvorgaben nahtlos in die Haustechnik und Deckenstrukturen integrieren. Wer die Planung erst in der Ausführungsphase anpackt, läuft Gefahr, teure Kernbohrungen oder aufwendige Deckenabhängungen nachträglich realisieren zu müssen.

Proflight Fact: Viele dieser komplexen Schritte übernehmen wir bei Proflight im Rahmen unserer professionellen Beratung für dich: von der ersten Bedarfsanalyse über die normgerechte Berechnung bis zur finalen Inbetriebnahme.

Visualisierung des Planungsprozesses von der Bedarfsanalyse über das Lichtkonzept bis zur technischen Auslegung und Normenkonformität.

Der strukturierte Ablauf in der Praxis

Um Fehler zu vermeiden und ein perfektes Ergebnis zu garantieren, arbeiten Lichtplaner nach einem dreistufigen Modell:

  1. Bedarfsanalyse: In dieser Phase klärst du die genaue Raumnutzung, die zukünftigen Nutzergruppen, die Möblierung und die Tageslichtverfügbarkeit.
  2. Konzeptphase: Hier legst du die Lichtzonen und die Lichtarten fest. Es wird entschieden, wo Grundlicht, Akzentlicht und reines Arbeitslicht benötigt werden. Auch die visuelle Leitidee entsteht hier.
  3. Technische Auslegung: Jetzt folgt die exakte Berechnung der Lichtstärke mittels Software wie DIALux oder Relux. Du wählst die passenden Leuchtmittel aus und bestimmst das Steuerungskonzept. Ob eine einfache Dimmfunktion, DALI oder komplexe KNX Anbindungen sinnvoll sind, entscheidet sich hier.

Ganzheitliche Lichtlösungen von Proflight

Als Experten für Lichtarchitektur unterstützen wir Planer dabei, kreative Visionen in normgerechte, ästhetische Realität zu verwandeln. Die theoretischen Grundlagen der Lichtplanung sind unser tägliches Werkzeug.

Unter anderem bieten wir folgendes an:

Fazit: Licht als integraler Bestandteil der Architektur

Gute Lichtplanung beginnt lange vor der Auswahl einer Leuchte. Erst das Zusammenspiel aus Architektur, Nutzung, Lichttechnik und normgerechter Planung schafft Räume, die funktional und atmosphärisch überzeugen. Wer die Grundlagen der Lichtplanung von Anfang an berücksichtigt, nutzt das volle Potenzial eines Entwurfs aus.

Bereit für dein nächstes Projekt?

Möchtest du das Lichtkonzept deines aktuellen Entwurfs auf das nächste Level heben oder suchst du Unterstützung bei der normgerechten Umsetzung nach SN EN 12464-1?

Jede Architektur stellt andere Anforderungen an das Licht. Gemeinsam entwickeln wir ein Lichtkonzept, das Gestaltung, Technik und Normen optimal verbindet. Gerne begleiten wir dich von der ersten Idee bis zur fertigen Umsetzung. Nimm jetzt Kontakt auf!